Beschreibung
Maßnahmenbeschreibung aus dem Klimaschutzkonzept von 2022:
Die Verwaltung prüft, wo sich Freiflächen-PV auf städtischem Gebiet eignen würde unter einem Doppelnutzungsansatz, bspw. Überdachung von bestehenden Parkflächen mit Solarcarports.
Umsetzung:
2022 wurde das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg mit der Erstellung einer Solarpotenzialstudie für FFPV, Agri-PV und Urban PV auf Parkplatz- und Freizeitflächen (Spiel- und Bolzplätze) beauftragt, um die Verwaltung zu befähigen, geeignete Freiflächen für PV-Mehrfachnutzung im Stadtgebiet zu identifizieren. Die externe wissenschaftliche Beurteilung der Flächen von Experten für Agri-PV und Urban PV mit Hinblick auf Doppelnutzungsansätze und daraus resultierende Empfehlungen wurde als Grundlage für eine transparente Bauleitplanung angesehen. Neben dem technischen Potenzial flossen auch stadt- und regionalplanerische Aspekte sowie Umwelt- und Naturschutzkriterien über GIS-basierte Verschneidung der Layer ein und es erfolgte eine Wichtung verschiedener Aspekte.
Für Agri- und klassische Freiflächen-PV wurden u.a. rechtlich auszuklammernde Bereiche (wie Naturschutzgebiete oder geschützte Biotope), Ökokontoflächen, Nichtaufforstungsflächen und Pufferzonen um Wald und Gewässer 1. und 2. Ordnung von der Betrachtung ausgeschlossen. Darüber hinaus wurden Flächen beispielsweise hinsichtlich ihrer Bedeutung für den Trinkwasserschutz (engere Schutzzonen der Wasserschutzgebiete) und Naturschuz (FFH-Flächen, Landschaftsschutzgebiete, Wildwechselkorridore, Vogelschutzgebiete etc.), ihrer Lage in EEG-Vorranggebieten und ihrer Nähe zu Netzeinspeisepunkten nach einem analytischen Hierarchieprozess beurteilt. Die Ackerzahl floss für Agri-PV dabei positiv, für FFPV negativ ein (bessere Bodenbedingungen für den Anbau schlugen sich also für klassische Freiflächenphotovoltaik negativ aus gegenüber der Doppelnutzung von PV und Landwirtschaft).
Die Berechnung des energetischen Potenzials erfolgte über Multiplikation der technisch installierbaren Leisung mit dem spezifischen Ertrag je nach angenommenem besten Anlagendesign.
Etwa 23% der möglichen Freiflächen wären gut geeignet für Agri-PV-Anlagen und würden in Summe knapp 200 GWh Strom liefern können. Dabei muss aber einschränkend berücksichtigt werden, dass in vielen Fällen die wirtschaftliche Nutzung des Potenzials unter den bisherigen Gegebenheiten nicht möglich ist, da gerade die hochaufgeständerte Agri-PV kostenintensiv ist. Um PV-Projekte auf die energetisch und stadtplanerisch günstigsten Flächen gemäß der Studienergebnisse zu konzentrieren, hat die Stadtverwaltung ein Steuerungskonzept für PV-Vorrangflächen erarbeitet (siehe Maßnahme 2.7a).
Die Beurteilung der urbanen Photovoltaik in der Fraunhofer-Studie beruht auf Doppelnutzung bereits versiegelter Bereiche im urbanen Raum und Integration von PV auf Spiel- oder Sportplätzen, beispielsweise in Form von zusätzlichen Verschattungselementen. Es wurden ausschließlich offene Flächen mit einer Mindestgröße von 50m² und guten Einstrahlungsverhältnissen (wenig Verschattung) untersucht. Eine Simulation der Verschattungssituation im Jahresverlauf und die Distanz zu Gebäuden dienten zur Beurteilung der Einzelflächen. Für die Potenzialberechnung wurden zudem Stellplatzüberdachungen und Parkplatzüberdachungen als verschiedene Varianten gerechnet. Für Parkplatzflächen mit Stellplatzüberdachung ergab sich eine gut geeignete Fläche von knapp 37 ha in Summe mit einem energetischen Potenzial von jährlich 58 GWh Strom und knapp 2 ha Spiel- und Sportplatzfläche mit einem energetischen Potenzial von 2,4 GWh. Wie bereits bei der Agri-PV erwähnt, bleibt die Frage der wirtschaftlichen Umsetzbarkeit aufgrund der hohen Kosten für Solar-Überdachungen offen. Urbane Photovoltaik könnte also bei vollständiger Nutzung der günstigen Flächen einen beträchtlichen Beitrag zur städtischen Stromversorgung liefern.